Lahn-Wein-Stieg
Der LahnWeinStieg, ein kleines Abenteuer im Lahntal
Aussichten ins Lahntal, die über Felsen, Stahlleitern und jede Menge uriger Pfade erarbeitet werden müssen. Und dazu eine große Portion Wanderlust. Der LahnWeinStieg – ein Paradies für abenteuerlustige Wandersleut.
Daten und Fakten
Rundwanderweg
Wegstrecke: 10,8 Kilometer
Gehzeit: ca. 6 Stunden
Höhenmeter: 458 hm
Start / Ziel:
- 56379 Obernhof
- Bahnhof/Lahnbrücke Obernhof
Ob Obernhof nun im Westerwald oder Taunus liegt, darüber lässt sich streiten, oder eben auch nicht.
So wie viele andere Gemeinden auch, liegt Obernhof beidseitig an den Ufern der Lahn. Als natürliche Grenze teilt die Lahn den Taunus vom Westerwald.
Unser heutiger Wanderweg führt uns rechtsseitig (flussabwärts) der Lahn in den Westerwald.
Los geht's
Wir parken unser Auto in den vorgesehenen Parkbuchten auf der Durchgangsstraße von Obernhof und folgen kurz darauf dem ersten Wegweiser des LahnWeinStiegs in die Weinhänge oberhalb des Ortes.
Die Temperaturen sind angenehm und der Frühling zaubert die ersten üppigen Blüten hervor.
Vorbei an alten Weinterrassen, wie der Schreiberlay, erreichen wir schon bald den ersten steilen Anstieg des Tages.

Die Informationstafel hält historisches Wissen bezüglich des Weinbaus im Lahntal parat.
Momo lässt grüßen! Über ehemalige Weinbergtreppen und schieferbedeckte, schmale Pfade schlängelt sich der Kassiopeia-Parcours nach oben.
Doch warum Kassiopeia? Weil wir langsam und bedächtig die zu bewältigenden 160 Meter mit 45 Metern Höhenunterschied aufsteigen, genauso wie die Schildkröte Kassiopeia aus der Geschichte „Momo“ von Michael Ende.

Neben einem steinernen Trullo – (Ihr erinnert euch an den Trullo in Rheinhessen?) – finden sich im Aufstieg immer wieder nette und informative Tafeln. So können wir an der „Echotafel“ unser Echo über das Lahntal hinweg hören und an der Wärme spendenden Steinrassel erfahren wir wissenswerte Details der hiesigen Flora und Fauna.

Nach Bewältigung des „Kassiopeia-Parcours“ wendet sich der Weg links ab, um sich stets weiter in die Höhe zu schrauben.
Am Ende des Pfades können wir Richtung Goetheberg kurz verschnaufen. Dann führt uns aufs Neue ein schmaler Pfad in die Höhe. Neben stacheligen Brombeersträuchern bieten hübsche Blütenstände ihre Schönheit feil. Eine Wohltat fürs Auge und die Wanderseele.

Blütenträume kündigen den Frühling und Sommer an, herrlich.

Meter um Meter nach oben katapultiert lassen wir die Weinberge und deren schmale Pfade zurück und säumen über einen ausgewaschenen, von Wildschweinen völlig zerstörten „Waldweg“ weiter Richtung Goethepunkt.
Am Goethepunkt mit Aussichtsplattform ist an schönen Tagen oft viel los, so auch heute. Deshalb marschieren wir ohne Aufenthalt direkt weiter. Was dann folgt, ist sowieso das noch viel größere Highlight, denn jetzt wird es regelrecht alpin.
Mit Stahlseilen gesicherte Felsvorsprünge, Stahltritte, felsige Pfade, die rechts und links steil ins Tal abfallen. Nix für schwache Nerven, jedenfalls nix für meine Nerven. Bedächtig, wie zuvor die „Schildkröte Kassiopeia“, meistere ich mit Mama Christa die alpine Passage jedoch mit Bravour.
(*Weil ich mich bei solchen Wegstrecken auf mich selbst konzentrieren muss, ist Luke heute zu Hause geblieben. Dafür war er gestern auf dem „Osterspaier Langhalsweg“ mit an Bord.)
Aufstieg durch den Wald. Es grünt und blüht schon im Ländle.

Der Abstieg vom Goethepunkt ist alpin. Seilversicherte Passagen über bizarre Felspartien versprechen Abenteuerfeeling.
Nach dem Abstieg über die alpine Passage geht es gleich gegenüber erneut auf einen steil auf- und abwärtsführenden schmalen Pfad. (Beschilderung fehlt hier!! Deshalb dem Lahnwanderweg folgen!)
Am Ende des Pfades wenden wir uns nach rechts und wandern nun gemütlich über federnden Waldboden Richtung Gelbachtal. Am Otto-Wolff-Stollen erfahren wir einiges über die dort lebende Fledermaus-Population und marschieren dann talabwärts zum Gestade des Gelbachs, der rauschend durch das Bachtal fließt.

Geht bei dem Bild nur meine Fantasie mit mir durch? Oder was seht Ihr?
Am Ufer des Gelbachs angekommen überqueren wir diesen an der Brücke der Messstation für Hochwasserschutz und folgen dem Wasserlauf in seiner Fließrichtung.
Im Auenbereich des Baches finden wir im Verlauf des Weges zum einen eine „Kneipp-Station“ zum Kühlen ermüdeter Wanderfüße und zum anderen klärt eine Informationstafel über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt auf.
Am Ende des Weges queren wir die Landstraße 325 und Ausruhen ist jetzt erst einmal wieder passé.
Die nächsten kleinen Kletterpassagen, seilversicherten Felsformationen und steilen Anstiege warten und treiben den Puls in die Höhe. Ja, es ist anstrengend, aber auch unglaublich abenteuerlich.
Nach einem scheinbar nicht enden wollenden Anstieg erreichen wir schließlich die Rasthütte „Mittelstation“. Hier legen wir erst einmal eine gemütliche, längere Vesperpause ein.

Nach unserer genüsslichen Siesta schultern wir unsere Rucksäcke und folgen dem LahnWeinStieg um eine Straßenkurve links ab auf einen befestigten Forstweg.
Die gemütliche Atmosphäre bleibt nur kurz erhalten, denn die nächste „alpine“ Herausforderung lacht uns schon hämisch entgegen.
200 Meter steil hinauf heißt die Devise. Dazu kraxeln wir über steil abfallende, felsige Pfade und müssen eine hohe Stahlleiter hinaufsteigen, die mir mit meiner Höhenangst einen Heidenrespekt abverlangt.

Einmal hinauf bitte. Nur nicht nach unten sehen und den Fokus auf das Ziel legen. Hat funktioniert!
Was soll ich sagen: Hey, innerer Schweinehund, hast wohl nicht gedacht, dass ich das schaffe, oder?
Voller Stolz betrete ich mit meiner Mama nach erfolgreicher Bezähmung (ok, bisschen dick aufgetragen) der zurückliegenden Passage das Plateau des Gipfelkreuzes mit der Schutzhütte „Bergstation“.

Nach einer kurzen Trinkpause steigen wir von der Bergstation über einen Waldpfad talabwärts.
Dickicht, Totholz und teilweise abgestorbene Bäume prägen jetzt das Landschaftsbild, kein Anblick, den man gerne sieht.
Jetzt in die Richtung des Ortes Weinähr wandernd, erfahren wir an der Erdbeer-Schlaff etwas über deren Funktion und Bedeutung und marschieren weiterhin talwärts über einen Schieferschuttweg dem Tal entgegen. Der rutschige Weg ist sehr unangenehm zu gehen, bei nassem, matschigem Wetter sicherlich noch viel schlimmer.
Mit neuem Wissen bezüglich der Erdbeer-Schlaff ausgestattet nähern wir uns dem „Bürger-Weinberg Weinähr“. Rechts des Weges schmeicheln weiß-rosa Blütenträume dem Wanderweg, ehe es über etliche Treppen abermals hoch hinausgeht.

Bürger-Weinberg Weinähr oberhalb des Ortes gelegen.

Endspurt
Erneut im Höhenrausch schlagen wir nach der „Sitzschanze Giebelhöll“ den Weg ins Tal ein.
Im Ort angekommen weist die heutige Beschilderung zum wiederholten Male zum Gelbach, dem wir jetzt nach rechts laufend folgen.
Mit den letzten Kraftreserven nehmen wir es kurz danach mit der finalen Passage auf: dem Adelhahn-Kletterweg. Noch einmal heißt es: Hände an den Fels und Leitern bezwingen.
Im Endspurt schlendern wir vom Plateau der „Platzburg“ Richtung Obernhof. Legen einen kurzen Schlenker durch den Wald ein und marschieren schlussendlich über die Weinberge des Ortes wieder hinunter zum Startpunkt.
Fazit:
Der LahnWeinSteig benötigt definitiv gute Kondition und Trittsicherheit. Auch eine Portion Schwindelfreiheit wäre bei den steil abfallenden, schmalen Pfaden von großem Vorteil.
Ich habe die Passagen trotz meiner Höhenangst gemeistert.
Kurze Waldwege bieten kurze Verschnaufpausen. Zum Zeitpunkt unserer Wanderung waren teilweise einige Wege in einem nicht „wanderfreundlichen“ Zustand. Die Markierungen waren ausreichend, aber nicht immer ganz ersichtlich.
Hundetauglichkeit:
Der LahnWeinStieg ist mit Hund machbar. Allerdings sollten – vor allem beim Abstieg vom Goetheberg – Frauchen/Herrchen das eigene „Können“ (bzw. die eigene Höhenangst) und das/die des Hundes realistisch einschätzen.
Die meisten Wege sind gut zu gehen, die Anforderungen an den Steigen meist machbar. Hauptsächlich der Abstieg beim Goetheberg ist recht „knifflig“ über Stahltritte, hohe Felsstufen. Je rechts und links fallen die Hänge steil ab ins Tal.
Die Klettersteige – vor allem die hohen Leitern – können umgangen werden. Den Hund alleine um die Umgehung zu schicken, während Frauchen/Herrchen die Kletterpassage meistert, wäre im Hinblick auf andere Wanderer mit Hund, kleinen Kindern, ängstlichen Wanderern nicht wirklich rücksichtsvoll.
Schlussendlich muss jeder Hundebesitzer sein eigenes Können (Höhenangst …) und das des Hundes und dementsprechend die Mitnahme des Hundes selbst entscheiden.
Gute Kondition und Trittsicherheit sollten vorhanden sein. Wasser muss mitgenommen werden.