Der „arme“ Wanderhund

Viel Meinung, wenig Ahnung

Meinte doch neulich eine Bekannte: Oh je, deine „armen“ Hunde sind ja „nur“ Wanderhunde. 

Dass dies völliger Unsinn ist, leuchtet bei genauerer Überlegung jedoch schnell ein. 

Mal davon ausgehend, dass solche pauschalen Aussagen meist sowieso schon totaler Quatsch sind, kennen die wenigstens unseren kompletten Alltag, um beurteilen zu können, welche Aktivitäten ich mit meinen Hunden bzw. ich mit Luke außerhalb des Wanderns unternehme. 

Viel zu viel des Guten!

Leider sehe ich in der Praxis oft Hunde, die total überdreht sind, nicht zur Ruhe kommen können und aufgrund der vornehmlichen Meinung, den Hund täglich „auslasten“ zu müssen, auch Hunde mit vielen körperlichen Defiziten. Heute Agility, morgen Hoopers und übermorgen die nächste vermeintlich tolle Auslastung. Kein Hund kann bei solch einem Pensum entspannen und gesund bleiben. Das Motto lautet: Weniger ist oft mehr!

Wandern mit Hund!

Bei Wanderungen werden alle Sinne des Hundes (und von Frauchen/Herrchen) angesprochen. 

 

Dass wir unseren Hund dabei langsam ans Wandern gewöhnen und die Anzahl der Wanderkilometer sukzessive steigern, setze ich an dieser Stelle jetzt einfach mal voraus. 

Welche Sinne und Reize werden beim Wandern angesprochen?

  • Taktile, sensomotorische Sinne // Reize 

Meist bestehen Wanderwege aus verschiedenen Untergründen, die selbst wir als Menschen trotz gut gepolsterter Wanderschuhe wahrnehmen.

 

Die Pfoten/Pfotenballen unseres Hundes bestehen dahingehend aus einem komplexen System mit sogenannten „Sinnesrezeptoren“. Neben der Fortbewegung nimmt der Hund bei Bodenkontakt Empfindungen wie Druck, Berührungen, Wärme und Kälte wahr. 

Zudem sind die meisten Wanderwege oft uneben, gleichzeitig müssen verschiedene Hindernisse überwunden werden und keine Wanderwege führen nur ständig geradeaus, sondern beinhalten Kurven, führen talauf- und talabwärts. 

 

Im Klartext: Taktiles Training, taktile Übungen zielen darauf ab, die taktile Wahrnehmung, also den „Berührungssinn“, zu fördern. Durch das Berühren der Pfoten mit verschiedenen Untergründen schult der Hund seine koordinativen Fähigkeiten und lernt, sich verschiedenen Untergründen anzupassen und neue Oberflächen einzuordnen. (= Schulung der Körperwahrnehmung im Raum) 

Zudem fördert das taktile Training das „explorative Verhalten“ des Hundes, welches wiederum zu gewünschtem Stressabbau führen kann. 

  • (lat. explorare = erforschen - die Neigung die Umwelt, Umgebung aktiv zu erforschen, wichtig für die Entwicklung und den Lernprozess) 

 

     2. Sensomotorisches Training

 

Sensorik umfasst die Aufnahme von Informationen aus der Umwelt und deren Weiterleitung an das Nervensystem. Daraufhin folgt als Reaktion die Ansteuerung und Anspannung der Muskulatur 

(= Motorik). Somit verbessert die neuromuskuläre Ansteuerung Bewegungsmuster und die Kontrolle der körperlichen Haltefunktion. Weiterhin fördert das sensomotorische Training das somatosensorische „Feedbacksystem“ und dient sowohl in der Rehabilitation als auch als Vorbeugemaßnahme. 

 

  • Der Hörsinn 

Im Gegensatz zu uns Menschen haben Hunde einen äußerst guten Gehörsinn. Hört der Mensch in einem Frequenzbereich von etwa 20.000 Hertz, übertrifft uns der Hund mit Frequenzen von 15 – 45.000 Hz. Teilweise sogar im Frequenzbereich bis 65 Kilohertz. Zudem hört der Hund etwa viermal weiter als sein Zweibeiner. Eine enorme Leistung. 

 

Kein Wunder also, dass die Ohren des Hundes beim Wandern ständig Geräusche wahrnehmen, die unseren Ohren verborgen bleiben. 

Das heißt im Klartext: Sind wir mit unseren Hunden auf Wanderschaft, müssen Hunde ständig neue Klänge, Töne, ein Knirschen von Ästen, den Wind im Blätterdach … präzise lokalisieren, gedanklich einordnen und die Sinneseindrücke des Hörens verarbeiten.

  • Der Geruchssinn

Hunde besitzen etwa 125–300 Millionen Riechzellen und riechen damit circa 100.000 Mal besser als der Mensch. Nicht umsonst werden Hunde oft als Spürhunde eingesetzt. 

Hunde können unterschiedliche Düfte identifizieren = Geruchsdifferenzierung. Sind wir mit unseren Hunden auf Wanderschaft, nehmen sie ständig neue Geruchseindrücke wahr. Sei es am Boden oder mit der Hundenase in der Luft. 

Das heißt im Klartext: Dürfen unsere Hunde auf Wanderschaft ihrem Erkundungsdrang per Schnüffeln nachgehen, fördert dies die kognitiven Fähigkeiten, lastet den Hund mental aus und fördert mit kleinen Suchspielen die Bindung zum Besitzer.

  • Der Sehsinn

 

Aufgrund neuestem Erkenntnisstand der Wissenschaft ist klar: Hunde können Farben erkennen, sind jedoch rot-grün-blind. Trotz allem gehen Hunde natürlich nicht völlig blind durch die Umwelt. Wenn wir mit unserem Hund auf Wanderschaft sind, werden durch den Sehsinn auch hierbei die Sinne des Hundes angeregt. Hunde selektieren und scannen Bewegungen aus ihrem Umfeld. Dies können wir auch auf Wanderschaft nutzen – zum Beispiel zur Förderung der Impulskontrolle. 

Auf einer ausgedehneten Wanderung dürfen Hunde ihre Umwelt mit all ihren Sinnen entdecken und so ihren Erkundungsdrang ausleben. Lassen wir jetzt mal die Sinnesleistungen, die beim Wandern mit Hund gefordert und gefördert werden, außen vor, ergeben sich zudem viele weitere Vorteile eines Wanderhundes. 

 

Zum Beispiel: 

 

Vorausgesetzt, Frauchen/Herrchen beachten einige wichtige Regeln, lastet Wandern den Hund auf gesunde Weise körperlich aus. Wandern fördert die Koordination, den Gleichgewichtssinn, stärkt die Muskulatur, hält Sehnen, Bänder elatisch und fördert eine gesunde Gelenkfunktion. 

 

  • Viele nützliche Signale/Wortsignale werden oft spielerisch als Trainingseinheit aufgebaut. 
  • Die meisten „Wanderhunde“ können sich prima in Hotels und Restaurants benehmen, denn schließlich sind sie meist mit auf Tour und lernen dadurch immer wieder neue Situationen kennen. 
  • Wanderhunde lieben es, spannende Abenteuer mit Frauchen/Herrchen zu erleben. Dadurch wachsen viele als Hund-Mensch-Team zusammen. (NEIN, nicht als „Rudel“, weil wir zwei VERSCHIEDENE Spezies sind.) Jedenfalls stärkt es die Bindung und das gegenseitige Vertrauen. 

Man bin dankbar für meinen „nur“ Wanderhund! 

 

Abschlussworte und Zusammenfassung: 

© Copyright.  Alle Rechte vorbehalten. 

sylvias-naturally-heart - das Original - since 2018

 

In Gedenken an Whisper, Spike, Sam, Blizzi und Snoopy.

 Quellen der Inspirationen und  Ursprung dieses Blogs.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.